Artikel | Haus & Garten 3/2004
«Nichts nur dem Partner zuliebe kaufen»
Katrin Dällenbach, Besitzerin eines Erotikladens, nimmt Frauen die Angst, über Vibratoren und Co. zu sprechen – und sie zu benutzen.
Nein, niemals hätte Katrin Dällenbach ihren ersten Vibrator bei einem Mann im Sexshop gekauft. Sie hätte ihm auf keinen Fall zu erkennen geben wollen: Ich will mich selbst befriedigen.
Seit sieben Jahren verkauft die gelernte Damenschneiderin im eigenen Erotikladen Planet Love im Berner Mattequartier selber Vibratoren. Und sie weiss genau, wie sich Frauen fühlen, die zum ersten Mal in ihren Laden kommen und sich für so ein Stück interessieren. «Natürlich braucht das Mut. Viele neue Kundinnen sagen deshalb zunächst, sie wollten sich nur umschauen. Nach einiger Zeit kommen sie dann mit dem eigentlichen Anliegen», sagt Katrin Dällenbach.
Ohne Hemmungen sagen, was man möchte
Dann wird nicht mehr ums Thema herumgedruckst. Ganz direkt frage sie: «Wollen Sie lieber eine Penis- oder eine Fantasieform? Nur zur äusserlichen Befriedigung oder auch zum Einführen? Welche Farbe, welcher Durchmesser soll es sein? Finden Sie dieses Material angenehm?»
Ist die Kundin im Zweifel, kann es vorkommen, dass Katrin Dällenbach ohne Hemmungen über ihre eigenen Erfahrungen mit einem Lustspielzeug plaudert. Und sie scheut sich auch nicht, der Kundin beim Hinausgehen zu sagen: «Auf Wiedersehen – und viel Spass!»
Die Mischung aus professioneller Beratung und weiblichem Einfühlungsvermögen macht es aus: In Dällenbachs Laden einen Vibrator zu kaufen, ist etwa so normal, wie in einem Elektrofachgeschäft nach einem Haarföhn oder Mixer zu fragen.
Distanzierter und kritischer als bei Frauen fällt die Beratung bei Männern aus. Sie machen ungefähr die Hälfte der Kundschaft aus. Will ein Mann einen Vibrator für seine Partnerin kaufen, lautet Dällenbachs erste Frage: «Weiss Ihre Partnerin davon?»
Schon manchen Kunden, der das verneinte, hat sie wieder heim- geschickt – ohne Vibrator, jedoch mit der Empfehlung, das Thema zuerst zu Hause zu besprechen.
«Einer Frau kann man doch nicht einfach kommentarlos einen Vibrator heimbringen, ohne jemals darüber geredet zu haben!», findet Dällenbach.
Bildbände mit Erotikfotos statt Pornohefte
Neben Vibratoren werden im Planet Love am häufigsten erotische Dessous verlangt. Wenn sich eine Kundin zweifelnd im Spiegel der Umkleidekabine mustert, rät Katrin Dällenbach: «Kaufen Sie nichts nur Ihrem Partner zuliebe. Sie müssen sich darin auch wohl fühlen.» Die Bernerin ist zudem überzeugt: «Männer stören sich viel weniger an Fettpölsterchen und Schönheitsfehlern an einem Frauenkörper als Frauen.»
Weil Katrin Dällenbach ihren Laden klar von einem Sexshop abgrenzen will, führt sie Bildbände mit erotischen Fotos statt Pornohefte. Die Pornofilme wählt sie sorgfältig aus: Es müssen Filme sein, die ästhetisch ansprechen und – wenn möglich – von einer der wenigen Frauen in diesem Geschäft gedreht worden sind. Erektionshilfen und andere Wundermittelchen sind nicht zu haben. «Ich verkaufe keine Illusionen», lautet Dällenbachs Begründung. «Sex läuft über den Kopf.»
Von Katrin Dällenbachs Erfahrungen können Frauen zudem an Toy-Parties profitieren: In der Regel einmal pro Woche treffen sich bis zu 15 interessierte Frauen nach Ladenschluss im Erotikladen. Katrin Dällenbach informieren über das Angebot sowie Neuheiten und spricht offen und direkt über Lust und Liebe – auch Tabuthemen werden nicht ausgeklammert.
Die Fantasie anregen
Pornofilme törnen vor allem Männer an. Frauenfantasien werden oft auf andere Weise beflügelt: Lesen Sie einander Szenen aus erotischen Geschichten vor, führen Sie ein erotisches Gespräch, probieren Sie erotische Wäsche an, schauen Sie sich gemeinsam Aktfotografien an.
Die Sinne beflügeln
Kerzen, Düfte und passende Musik machen die Sinne empfänglich. Zusammen kochen und ein feines Essen geniessen wirkt erotisierend. Anregend für Partnerschaften, die sich im Alltagstrott bereits etwas abgenützt haben: Flüstern Sie sich Komplimente ins Ohr. Nehmen Sie sich viel Zeit und sind Sie einmal nur für den anderen da.
Den Körper wecken
Körpermassage mit einem duftenden Öl. Gegenseitiges Erkunden der Lustzonen mit sanften Händen. Speziell: Streicheln mit einer zarten Feder.
30. Juni 2004 | Esther Diener Morscher
LELO isla
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